Hinweis:
Dieser Beitrag nimmt Bezug auf den Artikel «Zwischen Schule und Jugendhilfe» von Monique Hug, erschienen am 13. Mai 2026 im Sarganserländer. Der Inhalt wurde für die Website der Sozialen Dienste Sarganserland überarbeitet.

Wenn Kinder und Jugendliche im Schulalltag an ihre Grenzen geraten, stehen oft nicht schulische Leistungen im Vordergrund, sondern persönliche oder soziale Belastungen. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Schulsozialarbeit an. Sie begleitet junge Menschen bei Herausforderungen, welche weit über Hausaufgaben oder Noten hinausgehen, und bietet Unterstützung in Situationen, die für Betroffene alleine nur schwer zu bewältigen sind.

Die Schulsozialarbeit ist eine Fachstelle der Sozialen Dienste Sarganserland, heute ein fester Bestandteil vieler Schulen und versteht sich als niederschwellige Anlaufstelle für Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrpersonen.

Zuhören, begleiten und Orientierung geben
Jürg Flück arbeitet als Schulsozialarbeiter und Erlebnispädagoge an der Schule Walenstadt. Ein grosser Teil seiner Tätigkeit besteht aus Einzelgesprächen mit Schülerinnen und Schülern, die entweder selbst den Kontakt suchen oder durch Lehrpersonen beziehungsweise Eltern vermittelt werden.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht das rasche Lösen von Problemen, sondern das gemeinsame Erarbeiten von Handlungsmöglichkeiten. Ziel der Schulsozialarbeit ist es, Kinder und Jugendliche darin zu stärken, eigene Wege im Umgang mit Belastungen zu entwickeln.

Neben der direkten Beratung gehören auch Gespräche mit Eltern, Lehrpersonen und externen Fachstellen zur täglichen Arbeit. Gleichzeitig ist die Schulsozialarbeit regelmässig präventiv in Klassen präsent oder begleitet Gruppenprozesse innerhalb des Schulalltags.

Vertrauen entsteht im Alltag
Eine zentrale Grundlage der Schulsozialarbeit ist Vertrauen. Dieses entsteht häufig nicht im ersten Gespräch, sondern durch kontinuierliche Präsenz im Schulalltag. Begegnungen in den Pausen, Gespräche ausserhalb des Unterrichts oder die Mitwirkung an schulischen Aktivitäten tragen wesentlich dazu bei, Hemmschwellen abzubauen.

Gerade Jugendliche suchen Unterstützung oft erst dann, wenn sie das Gefühl haben, ernst genommen zu werden und einer Person vertrauen zu können.

Belastungen zeigen sich unterschiedlich
Die Anliegen, mit welchen Kinder und Jugendliche zur Schulsozialarbeit kommen, sind vielfältig. Neben Konflikten im schulischen Umfeld beschäftigen viele persönliche oder familiäre Themen die Schülerinnen und Schüler.
Dazu gehören beispielsweise:

• Spannungen im Freundeskreis,
• Motivationsprobleme,
• das Gefühl, nicht dazuzugehören,
• familiäre Konflikte,
• oder Belastungen im Zusammenhang mit Trennungen und Scheidungen.

Nicht jede Schwierigkeit entwickelt sich zu einer Krise. Dennoch zeigt die Erfahrung, wie wichtig frühe Gespräche und verlässliche Bezugspersonen sein können.

Schweigepflicht schafft Sicherheit
Die Schulsozialarbeit untersteht grundsätzlich der Schweigepflicht. Für viele Kinder und Jugendliche ist genau dies entscheidend, um offen über Sorgen oder Konflikte sprechen zu können. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen eine akute Gefährdung vorliegt und weitere Unterstützung notwendig wird. Solche Situationen werden nicht isoliert beurteilt, sondern gemeinsam mit Schulleitung, Lehrpersonen sowie spezialisierten Fachstellen eingeschätzt.

Gespräche brauchen manchmal Bewegung
Nicht alle Gespräche finden im klassischen Beratungssetting statt. Manche Jugendlichen öffnen sich leichter beim gemeinsamen Gehen oder in der Natur. Bewegung und eine weniger formelle Umgebung können helfen, schwierige Themen anzusprechen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Die erlebnispädagogische Arbeit ergänzt dabei die klassische Beratung und schafft zusätzliche Zugänge für Kinder und Jugendliche.

Prävention beginnt lange vor Krisen
Ein wichtiger Teil der Schulsozialarbeit besteht darin, Belastungen möglichst früh wahrzunehmen und Entwicklungen rechtzeitig aufzufangen. Prävention bedeutet deshalb nicht nur Intervention bei akuten Problemen, sondern vor allem kontinuierliche Beziehungsarbeit im schulischen Alltag.

Die Sozialen Dienste Sarganserland verstehen Schulsozialarbeit als langfristige Begleitung mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken und ihnen Unterstützung zugänglich zu machen, bevor Belastungen eskalieren.