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Dieser Beitrag erschien am 10.07. 2026 im Sarganserländer
Wenn sich ein Paar trennen oder scheiden lassen will, tauchen viele Fragen auf. Insbesondere, wenn Kinder mit im Spiel sind. Die Fachpersonen der Sozialen Dienste Sarganserland stehen den Betroffenen unterstützend zur Seite. Das Bedürfnis nach Beratungen ist hoch; die Nachfrage hat in den letzten Jahren zugenommen.
Zwei Menschen verlieben sich, werden ein Paar, sie heiraten und kriegen Kinder. Doch manchmal verändern sich Lebensumstände, Gefühle und Bedürfnisse, sodass ein Zusammenleben nicht mehr möglich erscheint. Das Paar entscheidet sich für eine Trennung oder Scheidung. Neben der sowieso schon herausfordernden Zeit der Umstellung stellen sich viele rechtliche, finanzielle und familiäre Fragen – Fragen, auf die man teilweise nicht auf Anhieb eine Antwort hat.
Die Fachpersonen der Trennungs- und Scheidungsberatung der Sozialen Dienste Sarganserland (SDS) helfen dabei, in dieser anspruchsvollen Situation Klarheit zu schaffen und die bestmöglichen Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Für Personen, die sich in einer Trennungs- oder Scheidungssituation befinden, lohnt es sich, frühzeitig Unterstützung zu suchen, betonen die Fachpersonen, zu welchen auch Debora Babst gehört. Das Beratungsteam setze auf Prävention, betont die Sozialberaterin und Mediatorin. «Je früher die Themen besprochen werden, desto weniger Konflikte kommen im Nachhinein auf die beiden Parteien zu», ist Babst überzeugt.
So gross ist die Nachfrage nach Trennungs- und Scheidungsberatungen
Die Verantwortlichen der SDS nehmen bei der Nachfrage nach Beratungen einen Anstieg wahr. «Während der Anteil von Scheidungs- und Trennungsberatungen im Gesamtbereich der Sozialberatungen vor vier Jahren noch 20 Prozent betrug, liegt er heute bei 40 Prozent», so Babst. Allerdings kann sie nicht sagen, ob es tendenziell mehr Trennungen und Scheidungen in der Region gibt oder ob das Angebot an Bekanntheit gewonnen hat. Im vergangenen Jahr haben die Beratungspersonen der SDS 150 Scheidungs- und Trennungsfälle begleitet.
Die Gründe, warum Menschen die Beratung aufsuchen, und was sie dabei erwarten können
Der Entscheid ist gefallen. Die Betroffenen fragen sich: Wie geht es nun weiter? Welche rechtlichen, finanziellen und familiären Folgen bringt die Trennung mit sich? Und vor allem: Wie kann sichergestellt werden, dass das Wohl der Kinder weiterhin im Mittelpunkt steht?
Betroffene möchten unter anderem eine Trennungsvereinbarung, einen Unterhaltsvertrag oder eine Unterhaltsberechnung erstellen lassen. «Ziel der Beratung ist es, Optionen aufzuzeigen und die Menschen dabei zu unterstützen, den für sie passenden Weg zu finden», so Babst. «Das Gesetz lässt den Eltern bei den Regelungen viel Eigenverantwortung.» Diesen Handlungsspielraum gelte es aufzuzeigen und als Chance zu nutzen.
Für Beratungspersonen ist es gemäss Babst hilfreich, wenn die ratsuchenden Personen an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind. Gerade bei Trennungen, die oft mit starken Emotionen verbunden sind, ist dies allerdings nicht immer einfach umzusetzen. In solchen Situationen unterstützen die Beratungspersonen die Betroffenen auf mediativer Ebene.
«Je früher die Themen besprochen werden, desto weniger Konflikte kommen im Nachhinein auf die beiden Parteien zu.»
Debora Babst
Sozialberaterin und Mediatorin bei den Sozialen Diensten Sarganserland
Beratungen von Paaren mit und ohne Kinder – das sind die Unterschiede
Bei Paaren mit Kindern müssen nach einer Trennung verschiedene Aspekte geregelt werden. Aufgrund der gemeinsamen Kinder bleiben die Betroffenen auch in Zukunft miteinander verbunden, weshalb die Kommunikation in einer geeigneten Form weitergeführt werden muss.
Kinderlose Paare hingegen können sich, nachdem alle Angelegenheiten geregelt sind, aus dem Weg gehen und sich unter Umständen nie wiedersehen. «Kinderlose Paare verfügen zudem finanziell oft über mehr Mittel und können dadurch schneller wieder selbstständig sein», erklärt Babst.
Trennungsvereinbarungen mit kinderlosen Paaren seien bei den SDS ohnehin eher selten. «Beratung ja, jedoch folgt häufig eine Triage an eine juristische Fachperson», erklärt sie.
Neues Beratungsangebot für unverheiratete Eltern in Trennungssituationen
Seit letztem Jahr bieten die SDS eine neue Beratung an, die sich speziell an unverheiratete Eltern in Trennungssituationen richtet. Dieses geht auf eine Änderung zurück, die seit dem 1. Januar 2025 in Kraft ist.
Seither ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zwar weiterhin für die Genehmigung von Unterhaltsverträgen zuständig, aber nicht mehr für deren Beratung und Erstellung. «Wir haben mit dem Beratungsangebot eine Lücke geschlossen. Ausserdem schaffen wir so eine Gleichbehandlung von verheirateten und unverheirateten Paaren», so Babst.
Zwar haben die SDS bereits zuvor Beratungen zu diesen Themen angeboten, neu führen sie zudem Unterhaltsberechnungen durch.
Tipps für Betroffene in Trennungs- und Scheidungssituationen
Ob jemand eine Beratung in Anspruch nehmen möchte, entscheiden die Betroffenen selbst. Babst empfiehlt jedoch, sich frühzeitig und gut zu informieren. «Wichtig ist, den Fokus auf die eigene Situation zu richten und sich nicht mit anderen zu vergleichen – weder hinsichtlich des Trennungsverlaufs noch beispielsweise bei der Unterhaltsregelung», sagt Babst.
Das Wohlergehen der Kinder sollte in den Mittelpunkt und persönliche Konflikte sollten möglichst zurückgestellt werden. In der Beratung würden die Betroffenen dabei unterstützt, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und den vorhandenen Handlungsspielraum bestmöglich zu nutzen.
Dabei spiele auch die finanzielle Situation eine Rolle, da es mit mehr finanziellen Mitteln oft mehr Möglichkeiten gibt. Im Umkehrschluss könne eine Trennung gerade bei knappen finanziellen Verhältnissen besonders einschneidende Folgen haben – und allenfalls sogar der Bezug von Sozialhilfe notwendig werden.
Eine Trennung bringe zwar Herausforderungen mit sich, dennoch gebe es Perspektiven. «Eine Trennung ist nicht das Ende, und auch danach kann man wieder glücklich sein», sagt Babst.
Die Fachpersonen der SDS begleiten Betroffene auf einem Teil dieses Weges. Die Trennungs- und Scheidungsberatungen der SDS sind kostenlos.
Möglicher Ablauf einer Trennungsberatung
Ein verheiratetes Paar – es hat zwei gemeinsame Kinder – trifft die Entscheidung, sich zu trennen. Die Frau hat bis anhin 30 Prozent gearbeitet, der Mann 100 Prozent. Nun wollen sie eine Vereinbarung erstellen.
Dabei stellen sich den Eheleuten viele Fragen, die es zu regeln gilt: Für wen muss ich Unterhalt bezahlen? Muss ich mehr arbeiten? Wie werden diese finanziellen Folgen berechnet? Wie kann ich nach der Trennung weiter den Kontakt zu meinen Kindern leben?
In einem ersten Schritt beantwortet die Fachperson in der Beratung die Fragen, oder aber sie werden, wenn diese mehr Bearbeitung benötigen, als Thema für die Erarbeitung der Vereinbarung gesammelt.
Die Vereinbarung ist eine Abmachung unter den beiden Eheleuten und hat keinen Rechtstitel. Bevor mit der Ausarbeitung begonnen wird, werden die Rahmenbedingungen in einem sogenannten Kontrakt geklärt.
Wenn beide Parteien damit einverstanden sind, werden die Trennungsfolgen geregelt. Die Beratungsperson agiert dabei allparteilich und unterstützt die Kommunikation zwischen beiden.
Am Schluss steht eine Vereinbarung, welche beide Eheleute unterzeichnen – und die ihnen Orientierung für die weitere Gestaltung ihres Weges gibt.